AVRAM Ensemble

PRESSE

WAZ, 09.11.2019 Gladbeck

Friedenskonzert mit AVRAM

...In einem christlichen Pilgerlied aus Spanien trafen Anklänge an die katholische Kirchenmusik auf arabische Rhythmen und erinnerten so daran, dass die Iberische Halbinsel im Mittelalter jahrhundertelang in den christlichen Norden und den islamischen Süden geteilt war.
Genauso gehörten Instrumentalstücke aus der Türkei, dem typisch jüdischem Klezmer, der Musik der osteuropäischen Roma und anderen Stilen zum Programm. "Vor ungefähr 3000 Jahren fand in Jerusalem eine interreligiöse Begegnung auf höchster Ebene statt: die Königin von Saba in Arabien besuchte König Salomon", erklärte Partowi. "Über diese Begegnung gibt es in mehreren Religionen viele Legenden. Auch in Salomons "Hohelied" kommt die Königin vor. Die beiden Liebenden singen jetzt auf Hebräisch und Arabisch miteinander - als Symbole für Israle und Palästina." Vertont hatte sie auch diesen Text selbst. Schirin Partowi bewies sich in ihrem meisterlichen Gesang als echte Weltbürgerin, die in der europäischen, jüdischen, arabischen und persischen Musik gleichermaßen zuhause ist. Vertont hatte sie jüdische und christliche Gebets- und Lehrtexte und Weisheiten orientalischer Gelehrter - zum Beispiel von dem bedeutenden mittelalterlichen persischen Dichter Rumi, der davon überzeugt war, dass das Universum eine Gemeinschaft aller Elemente ist, die in Liebesbeziehungen zueinander stehen. Die Instrumentalisten versetzen das Publikum dabei gedanklich nach Spanien, in die Türkei, in die arabische Welt, nach Israel, in die Wüste Persiens und in den Balkan - schließlich lebten dort auch Christen und Muslime jahrhundertelang friedlich miteinander.
Am Ende drücke die Band auch einem berühmten irischen Segensspruch den Stempel ihrer Musik auf - sehr zur Begeisterung des Publikums. Dem Wunsch nach einer Zugabe kamen die Musiker mit ihrem einzigen deutschen Lied nach, nämlich mit Martin Luthers Choral "Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein dich rufen an..." Dies war auch ein Dank an die Martin Luther Stiftung Ruhr, die zusammen mit der evangelischen und kathorlischen Kirche, der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, der interkulturellen Frauengruppe und dem internationalen Mädchenzentrum dieses Konzert ermöglichte.
"Wir wollen Friedensfähigkeit und Herzensbildung vermitteln", erklärte Schirin Partowi. "Das spirituelle Anliegen und das Friedensbedürfnis sind da." Partowi, selbst Sauerländerin mit persischen Wurzeln, wuchs in einer teils evangelischen, teils zoroastrischen Familie auf und eignete sich in zahlreichen Begegnungen mit Muttersprachlern das Wissen über die Musik an, die heute zu ihrem Repertoire gehört.

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